TANZ IN HAMBURG - Das Festival im Festival
26. und 27. JULI 2010 | 20.00 Uhr | Hamburger Sprechwerk
(ca. 90 Minuten)
• Publikumsgespräch mit den Künstlern im Anschluss an die Vorstellung
ABSENT 1 - work in progress
(ca. 20 Minuten)Wir leben in einer Gesellschaft der Fülle und werden beherrscht vom andauernden Gefühl des Mangels. Wir haben Nahrung, Wohnraum, Beschäftigung, Kultur, Kommunikation, Unterhaltung und Flexibilität. Wir folgen dem Prinzip der Moderne und bewegen uns, reisen, gestalten unser Leben auf der Suche nach Erfüllung. Trotzdem werden wir das Gefühl nicht los, dass immer etwas fehlt. In Absent 1 übertragen wir die Abwesenheit auf innere wie äußere Räume und füllen diese mit Bewegungen: „Etwas vermissen“, „sich erinnern“ oder „etwas erwarten“. Innerhalb dieses Spannungsfeldes entwickelt sich lebendige, kreative Kraft und das Unerwartete kommt zum Vorschein. Zwei Frauen erforschen das Ungewisse und Unbekannte in ihrer Beziehung zueinander, an sich selbst und in ihrer Welt. Sie benutzen die andere als Projektionsfläche, als Spiegel, als Werkzeug und als Schlüssel zur „Freiheit“. „Bist du da?“ fragt sie in einen leeren Raum hinein und ihre Stimme echot kalt.
Choeografie: Ursina Tossi
Tanz: Ursina Tossi, Raimonda Guzdaviciute
Musik: Johannes Miethke
Ursina Tossi
Geboren 1973 in Heidelberg, studierte klassisches Ballett, Modern und Jazz am Ballettinstitut Rheinland-Pfalz bei Virgil Paleru in Ludwigshafen sowie Philosophie an der Universität Mannheim. Auf Performances in Mannheim und Ludwigshafen u. a. als Mitglied der New Dance Company unter der Leitung von Aki Kato erfolgte die Weiterbildung zur Performance-Künstlerin in Hamburg bei Heidrun Vielhauer und Rotraut de Neve. 2007 tanzte sie in der Dancekiosk-Company in die Kandidaten von Filip van Huffel (Belgien). 2005 gründete sie die Tossi-Company in Hamburg. Unter ihrer Leitung entstanden seither folgende Tanzstücke und Performances: Insomnia, Regen-eine Tanzreportage, fuminsho, meer zuhause (Thrull und Tossi), Tanzforum all 1, Rough - take 1 und ZONE.
SO LOnely – (Arbeitstitel)
(ca. 30 Minuten)In der Performance SO LOnely widmet sich Paulina Pomana dem Format des Solos im Kontext von Tanz und Film. Handelt es sich bei dem Solo um das Werk einer Einzelnen und kann es nur in Opposition zur kollektiven Arbeit gedacht werden? In ihrer Arbeit geht Pomana der Frage nach, welche Konsequenzen sich für das Format ergeben, wenn das Solo als Ergebnis aus dem Prozess kollaborativer Arbeit hervorgeht und die anachronistische Position des einzelnen Künstlers (wie sie im Solo evtl. noch nahe liegend erscheinen mag) ausgeklammert wird. Damit soll hinterfragt werden, ob es sich bei dem Solo um ein Format handelt, mit dem die künstlerische Arbeit eines Einzelnen verhandelt werden kann und inwiefern das Solo in Bezug auf Kollaborationen zwischen zwei oder mehr Personen oder andere Arbeitsformen hin weitergedacht werden kann. Die Recherche erfolgt im Kontext von Tanz und Film. Dabei dient die filmische Ebene als dramaturgische Komponente für die Choreographie. An der Schnittstelle von Realität und Fiktion soll erforscht werden, welche Folgen sich aus der Korrespondenz von Tanz und Film für das Format Solo ergeben und wann ihre Grenzen zu etwas Anderem verschwimmen.
von und mit Paulina Pomana
• SO LOnely ist eine Produktion von K3 – Zentrum für Choreographie | Tanzplan Hamburg. Tanzplan Hamburg wird von Tanzplan Deutschland, einem Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, und von der Kulturbehörde der Freien und Hansestadt Hamburg gefördert und findet in Kooperation mit Kampnagel Hamburg statt. Partner: Performance-Studies | Universität Hamburg.
Paulina Pomana
Absolvierte 2007 ihre Tanzpädagogenausbildung und begann im Anschluss mit dem Studium der Performance Studies an der Universität Hamburg. Im Rahmen des Studiums konnte sie an zahlreichen Projekten (u.a. bei Amanda Miller, Eszter Salomon, Regina Baumgart ,Martin Nachbar und Rimini Protokoll ) teilnehmen. 2009 assistierte sie im Kontext des YoungStar Festivals am Kampnagel Hamburg bei dem Jugendprojekt „Hell“ unter der Leitung von Sylvi Kretzschmar.
2009 entstand die Abschlussarbeit „Ein Abend im Winter 1984“,die im Juli 2009 auf Kampnagel zur Aufführung kam. 2010 arbeitete sie als künstlerische Mitarbeiterin bei dem interdisziplinären Projekt „Ticken“ (unter der Leitung von Philip van der Heijden, Katharina Oberlik, Sven Kacirek und Jonas Kolenc) mit. Im März 2010 schloss Paulina Pomana das Studium mit dem Master of Arts ab und arbeitet seit April 2010 im Rahmen der Residenz von Tanzplan Deutschland am K3 Zentrum für Choreographie an einer Performance zum Thema Solo, die im Rahmen von DanceKiosk im Juli 2010 gezeigt wird.
LIEBE, DIE NIE AUSGELUTSCHT IST
(ca. 20 Minuten)Eine Tanzperformance von den Ruff Monkeys, der Mädchen-Nachwuchsgruppe bei Hajusom unter der choreografischen Leitung Mable Preach. Die Ruff Monkeys, auch Hajusom Babies genannt, sind 15 junge Hamburger Migrantinnen, die zur so genannten zweiten Generation bei Hajusom gehören, die erstmals von Mitgliedern der ersten Generation künstlerisch verantwortlich und eigenständig angeleitet wird. Zurzeit erarbeitet die Gruppe ihre erste große Produktion unter dem Titel Liebe, die nie ausgelutscht ist. Ein Stück, das mit der Vertreibung aus dem Paradies beginnt, dem Zeitpunkt, an dem eigentlich jedem Menschen nahegelegt wurde, dass die Liebe nur eine Illusion ist. So werden neben harten Realismen über das Leben mit den Jungs auch Wünsche und Sehnsüchte über die Liebe verhandelt, denn so ganz möchten die jungen Frauen dem biblischen Versprechen nicht nachgeben...
von Ruff Monkeys,
Regie: Mable Preach
mit Karina Mestechkina, Bengisu Yigit, Zerrin Iskender, Petra Boateng, Latoya Manu, Nicolle Bolle, Mary Lauersdorf, Florence Agyemang, Betina Botsio, Jenifer Agyemang, Naomi Afia Brenya, Sara Morais, Tamika Odhiambo
• Von Hajusom
JEMAND ANDERER - Work in Progress
(ca. 20 Minuten)Im Arbeitsprozess zu dem Tanzstück Jemand Anderer betrachtet und erforscht die Sticky Trace Company die Frage nach unseren versteckten Sehnsüchten nach einer anderen Identität und unserem Wunsch, uns selbst zu entkommen. Sie nimmt an, dass zahlreiche Möglichkeiten gefunden werden können, der Realität zu entrinnen, in fremde Gefühlswelten abzusteigen und den eigenen Gefühlen fremd zu werden bzw. nicht begegnen zu müssen - ob es durch das Konstruieren von Fantasiewelten oder schlicht das Beobachten und Konsumieren fremder Schicksaale geschieht, welche es uns erlauben aus der eigenen Wirklichkeit auszusteigen. Die eigene emotionale Dunkelkammer kann und darf mit dem Leben und Erleben anderer Menschen oder fiktiver Situationen gefüllt werden. Es wird nach all jenen eigenartigen und erstaunlichen Fähigkeiten und Methoden gesucht, die wir – vielleicht ohne es zu wissen - entwickeln, um uns in ein anderes Leben oder das Leben eines Anderen zu träumen, mit dem Ziel unserer eigenen Beliebigkeit oder der vermeintlichen Tristheit unseres Daseins zu entkommen. Auf der Suche danach stellt sich die Frage, ob wir auf diesem Weg, nicht unweigerlich in einem Dilemma aus Euphorie und Selbstbetrug enden, welches uns letztendlich davon abhält dem Leben tatsächlich entgegen zu treten.
Choreographin: Uta Engel
Tanz: Alexandra Denk, Christina Wichers, Gry Raby, Keshwar Sayed, Jessica Nupen, Signe Koefoed
Kiosk.Helper: Jula Lüthje
Uta Engel
Die Tänzerin, Choreographin und Diplom-Kauffrau Uta Engel absolvierte ihre Vorausbildung im klassischen Bühnentanz Ende der 90er Jahre in Hannover. Es folgte das Studium der International Business Studies mit den Schwerpunkten der Personalwirtschaft und Organisation an der Universität Paderborn, welches sie mit dem akademischen Grad der Diplomkauffrau abschloss. Im anschließenden aufbauenden Studium ‚Master of International Economics’ beschäftigte sie sich im Zusammenhang mit einer wissenschaftlichen Arbeit intensiv mit der Kreativitätsforschung und entwickelte einen Erklärungsansatz für ein theoretisches Modell organisationeller Kreativität.
Noch während ihrer Zeit an der Universität nahm sie ihre professionellen Ambitionen im künstlerisch-tänzerischen Bereich wieder auf. Zwischen 2004 und 2007 bildete sie sich Amsterdam, Braunschweig und Hamburg im zeitgenössischen/modernen Tanz, Improvisation, Komposition, Schauspiel und Gesang weiter und erhielt 2007 ihren Abschluss für zeitgenössischen Bühnentanz in Hamburg.
Während ihrer Ausbildung tanzte sie in Stücken renommierter Choreographen wie Tomislav Jelicic, Edward Talton Jackson, Fiona Gordon und Carlos Jaramillo. Im Jahr 2006 gründete Uta Engel gemeinsam mit Tomislav Jelicic das INTO Company Projekt zur Förderung junger Tänzerinnen und Tänzer in Hamburg und koordinierte über die Projektlaufzeit von 6 Monaten die konzeptuelle und organisatorische Arbeit, u.a. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Theater- und Tourneevorbereitungen sowie Sponsoren-Kommunikation.
Im Mai 2008 gab sie im Rahmen des Hamburger Forums für zeitgenössischen Tanz ‚ALL1’ mit dem Solostück ‚Und was bleibt ist Ich’ ihr Debut als Choreographin. Im Januar 2009 gründete sie die Sticky Trace Company, die im Juni 2009 mit ihrer ersten Produktion „1/6/60“ die Uraufführung hatten. Uta Engel ist seit April 2009 Gesellschafterin, kaufmännische Leiterin und PR-Verantwortliche der Contemporary Dance School Hamburg.
27 Jahre alt, ist seit ihrem 6. Lebensjahr in Hamburg wohnhaft. Ihr Geburtsort ist Ghana. Sie hat ein ordentliches deutsches Abitur gemacht und während ihrer Schul- und Ausbildungszeit mit vielen Hamburger Performance-Gruppen gearbeitet (Scampies, Showcase beat le Mot, She She Pop, Back-Stage, Lukulule). Seit vier Jahren ist Mable Mitglied bei Hajusom und gründete vor einem Jahr die Ruff Monkeys, die seither unter dem Dach von Hajusom im Bunker an der Feldstraße arbeiten. Zurzeit erarbeitet die Gruppe ihre erste große Produktion unter dem Titel 'Liebe die nie ausgelutscht ist'. Einige Auszüge wurden für die Lange Nacht des Theaters 2010 vorbereitet. Die Präsentation auf Kampnagel war der erste große Auftritt für die neu gegründete Gruppe.
